Zuletzt aktualisiert: 03.06.2011

 
Mai 2011

Als ich Newman im Mai sehe kann ich nur staunen. Er hat sich riesig gemacht, ein großer Unterschied zum letzten Besuch vor einigen Wochen. Kein irres „wie-aufregend-da-kommt-ein-Mensch-Herumgehüpfe“, kein Anspringen, kein nervöses Geknabbere und Hecheln! Mir begegnet ein nahezu gelassener und freundlich interessierter Newman, der sich sogar schnell von sich aus hinsetzt. Das wird natürlich mit seinem Lieblingsleckerchen belohnt!
Dann lerne ich seinen neuen vierbeinigen neuen Zimmer-Kollegen Indie kennen. Die beiden drehen gemeinsam ein paar Runden im Auslauf und scheinen sich gesucht und gefunden zu haben.
Während des Freilauf wird immer wieder ruhiges Verhalten belohnt. Beide Hunde können sich gut konzentrieren und reagiert auch noch bei Ablenkungen wie vorbei laufenden Passanten auf das Markersignal.

Newman ist kaum wieder zu erkennen, so zufrieden und selbstbewusst ist er. Von anderen Hunden lässt er sich jetzt nicht mehr alles bieten und überlegt genau, wem er z.B. seinen roten Lieblingsball überlässt. Dabei agiert er immer angemessen und souverän.
Und bei Menschen ist er grundsätzlich ruhiger und sicherer geworden. Er hat immer schon viel Körperkontakt gesucht, kann aber die Nähe jetzt zunehmend entspannt genießen.

Zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass Newman wirklich angekommen ist.
 

April 2011


Bei Oliver de Vries übernachtet jeder Hund in einem eigenen Raum (manchmal auch zu zweit).
Dort hat sich Newman gut eingelebt und hat viel schneller als erwartet gelernt alleine zu bleiben. Der „Hörkontakt“ zu seinen vierbeinigen Nachbarn hilft ihm und ist ihm vertraut.
Wir hatten wohl alle seine Schwierigkeiten im Haus zu leben unterschätzt. Die für ihn unbekannten Wohngeräusche, Gerüche, Bilder und die ungewohnte Nähe zu Menschen waren sicher viel Stress für den Hund. Hier hat er die Möglichkeit sich Schritt für Schritt an alles zu gewöhnen.Er muss sich auch nicht gleich einem ungewohnten Menschenalltag unterordnen, sondern erlebt einen hundgerechten, sehr strukturierten Tagesablauf: Tolle Auslaufmöglichkeiten, gut dosierte Spaziergänge, maßgeschneidertes Training und viele Sozialkontakte zu anderen Hunden, das alles ist sehr nach Newmans Geschmack. Schnell hat er wieder viele (zwei- und) vierbeinige Freunde gefunden. Hündin oder Rüde, egal! Hauptsache zusammen rennen und spielen!
Die Trainer achten sehr auf Newmans Erregungslevel. Viel Neues macht ihn nervös und hibbelig.
Newman gehört zu den Hunden, die durch die Zeit im Zwinger sehr geprägt wurden. Das war ihm ja schon in Argentona anzusehen. Viele Hunde leiden im Tierheim unter chronischem Stress und es kann im Extremfall bis zu einem Jahr dauern, bis der Stresslevel überhaupt anfängt abzufallen. Zum Glück geht es Newman schon jetzt jeden Tag besser.
Entspannung zu lernen ist ein wichtiger Bestandteil seines Trainings. Ein konditioniertes Entspannungssignal für die besonderen Momente wird geübt. Aber gutes Hundetraining findet ja bekanntlich permanent statt. Also wird jedes ruhige und entspannte Verhalten über den Tag hinweg gemarkert und verstärkt.
 

 
 

März 2011


Wir haben eine tolle, professionelle Pflegestelle für Newman gefunden. Oliver der Vries, Hundetrainer mit viel Erfahrung bei Tierschutzhunden, wird ihn bei sich aufnehmen.
Die Bedingungen sind optimal. Newman kann hier mit anderen Hunden zusammen leben und er wird mit viel Herz, Einfühlungsvermögen und Hundeverstand betreut und trainiert.
Newman fühlt sich schnell wohl und erkundet das große Freilaufgelände. Auch hier bestätigt sich wieder sein vorbildliches Sozialverhalten, er versteht sich wunderbar mit den anderen Hunden.
Schon nach ein paar Tagen besteht er auch den „Ressourcentest“ mit Bravour! Dafür werden verschiedene Situationen gestellt, um zu prüfen, ob Newman angemessen auf Annäherung reagiert, wenn er z.B. gerade ein besonders leckeres Futter hat. Newman bleibt durchweg gelassen, nur beim „Schweineohr“ ist ihm leichtes Unbehagen anzumerken! Aber das ist ja auch sein absoluter Lieblingssnack!!!
Auf den Spaziergängen erkundet Newman weiter die Welt. Vieles ist ihm nach wie vor unbekannt. Dann schlägt seine Neugier auch kurzfristig in Fassungslosigkeit um und ein Jägerhochsitz wird aus sicherer Entfernung verbellt.
An die Leine hat sich Newman mittlerweile gewöhnt. Er kann den Radius ganz gut einschätzen und rennt nicht mehr ständig in die Leine.
Seine große Herausforderung ist nach wie vor das Alleinsein, das weiter mit ihm trainiert wird.


Newman sucht nun ein endgültiges Zuhause

Newman ist ein 2 Jahre alter kastrierter Galgomix und lebt jetzt in Grevenbroich.
Er ist ein wunderschöner, fröhlicher, aktiver und sozialer Hund. Er liebt Menschen und Hunde und lernt schnell und begeistert. Trotzdem hat er eine sehr wichtige und prägende Zeit in einem Zwinger verbringen müssen und kennt viele Alltäglichkeiten eines Familienhundes noch nicht. Newman braucht noch Zeit um sich in seinem neuen Leben zurecht zu finden und er sucht einen Menschen oder eine Familie, der/die dafür Verständnis haben und ihm dabei helfen wollen.
Er wäre auch ein toller Zweithund!
 

Wenn Sie mehr über Newman erfahren möchten und ihm vielleicht ein neues Zuhause geben möchten, melden Sie sich gerne bei

Daniela Kreher
dabellts@web.de
Tel. 015227467708


Februar 2011

Newman hat sich toll entwickelt. Äußerlich ist er ein völlig anderer Hund, er hat zugenommen und man sieht und spürt nicht mehr „nur Haut und Knochen“. Sein Fell ist glänzend und weich geworden. Die vielen Dornen, die in überall in seiner Haut steckten, sind entfernt und die Stellen verheilt.
Alles könnte so schön sein, doch leider akzeptiert ihn die Hündin der Pflegestelle nicht und die Hunde müssen immer getrennt werden. Auf die Dauer wird das nicht praktikabel sein.
Wir suchen schon einen alternativen Pflegeplatz, aber es ist nicht einfach, weil Newman erfahrene Hundemenschen und eine passende Umgebung braucht.

Dabei ist Newman ein sehr sozialer Hund. Bei allen Begegnungen draußen ist er sehr freundlich.
Am liebsten tollt er ausgiebig mit seiner Lieblingfreundin Kikki herum, auch eine Hündin aus dem Tierschutz. Sie sind schnell aufeinander eingespielt. Wenn Newman seine ungestümen 2 Minuten bekommt und seine rasend schnellen „Galgorunden“ dreht, sucht Kikki Deckung hinter einem Baum, bis wieder im „normalen“ Tempo zusammen weiter gespielt wird.
Oder die beiden erkunden den Auslauf und legen sich dann entspannt ins Gras. Es ist immer noch so, dass Newman sich sehr an anderen Hunden orientiert und im Zusammensein mit ihnen zusehends an Sicherheit gewinnt. Ein wohl bleibendes Resultat seiner Tierheimzeit.

Aber natürlich festigt sich auch die Bindung zu seinen Menschen. Newman reagiert schon gut, wenn man ihn ruft. Er freut sich, wenn man sich mit ihm beschäftigt und ist dann sehr eifrig. Ganz nebenbei lernt er „sitz“ und „komm“ durch Abrufspiele und Clicker.

Zunehmend gewinnt Newman auch Vertrauen zu Menschen. Er reagiert schnell auf seinen Namen und freut sich, wenn man sich mit ihm beschäftigt. Ganz nebenbei lernt er „sitz“ und „komm“ durch Abrufspiele und Clicker.
Im Haus hat er sich bereits an viele Geräusche gewöhnt und macht jeden Tag weitere Fortschritte. Nachts schläft er schon ganz ruhig auf seinem Lieblingskissen und kann auch ertragen, wenn seine Menschen für ein paar Minuten den Raum verlassen. Auch wenn noch lange nicht daran zu denken ist, ihn wirklich nur für kurze Zeit alleine zu lassen. Sein Anpassungsstress ist noch immer groß und er ist oft aufgedreht und ruhelos, er sucht dann immer die Nähe zu seinen Menschen, wahrscheinlich würde ihm aber auch schon die Gesellschaft eines anderen netten Hundes sehr helfen.

 

Januar 2011

Zurück in Deutschland geht uns Newman nicht mehr aus dem Kopf. Wir wissen, er hat so gut wie keine Vermittlungschance in Spanien, und wir beschließen, in Deutschland ein Zuhause für Newman zu suchen.

Kurz nach Beginn des Neuen Jahres beginnt auch Newmans neues Leben.
Gemeinsam mit einem anderen Rüden aus Argentona darf er die lange Autoreise nach Deutschland in seine Pflegestelle antreten. Autofahren ist neu für ihn, aber dank Würstchen sind seine Bedenken schnell zerstreut und er hüpft in den Kofferraum. Wenn Newman während der Fahrt unruhig wird, schaut er immer zu seinem Hundekumpel auf den Rücksitz, und ist gleich wieder entspannter.
Zum Glück weiß er nichts von Blitzeis und Strassenglätte und wir erreichen nach 14 Stunden Autofahrt ohne Zwischenfälle seine Pflegestelle.

Die ersten Tage sind sehr aufregend. Es gibt viel zu entdecken und Newman hat eine Menge nachzuholen.

Natürlich hat er großen Hunger und noch größeren Appetit. Nichts ist sicher vor seiner langen Schnauze. Selbst eine auf dem Tisch abgestellte Kaffeetasse ist in Sekunden leer geschlabbert.

Das Wichtigste für Newman sind aber seine neuen Menschen. Er folgt ihnen auf Schritt und Tritt.

Doch es macht sich schnell bemerkbar, dass Newman den größten Teil seines Lebens auf engstem Raum mit anderen Hunden verbracht hat. In den ersten Tagen schläft er kaum. Zu groß ist seine Unsicherheit. Oft fallen ihm dann im Sitzen die Augen zu und er döst ein paar Minuten mit hängendem Kopf. Halbwegs entspannen kann er sich nur „kontaktliegend“ mit seinen Menschen. Wenn er ein paar Minuten schläft, hat er fast immer schlimme Albträume und schreckt wieder aus dem Schlaf hoch.

Allmählich wird klar, dass Newman auf der Straße aufgewachsen ist und das Leben im Haus nicht kennt. Sämtliche Geräusche wie das Abpumpen der Waschmaschine, staubsaugen oder Türknarren sind ihm fremd und machen ihm Angst. Als aus dem Fernseher Hühnergegacker ertönt, wird dieser umgehend angesprungen und kippt bedenklich.

Auch an viele visuelle Reize wie Lichtspiegelungen im Fenster muss er sich erst gewöhnen.
Enge Räume machen ihm Stress. Und er versteht die Hausordnung noch nicht. Obwohl man als Galgomix bekanntermaßen erhöhte Sitzplätze bevorzugt, darf man nicht auf dem Esszimmertisch liegen! Man sollte auch nicht durch geschlossene Terrassentüren rennen oder ins Sofa beißen.
Es gibt viel zu lernen für Newman…

Am liebsten ist er im Garten unterwegs, auch wenn es noch recht kalt ist. Bei den täglichen Futtersuchspielen wird er immer besser. Konnte er sich anfangs bei einer einfachen Würstchenspur kaum länger als wenige Sekunden konzentrieren, setzt er nach zwei Wochen schon sehr ausdauernd seine Nase ein.
Vor allem seine Begeisterung für andere Hunde ist ungebrochen. Leider ist die eigene Hündin der Pflegestelle sehr skeptisch, aber Newman findet schnell andere Freunde. Wenn er mit Hunden im Freilauf spielen und toben kann, ist er glücklich. Zumal er sich erst allmählich an Leinenspaziergänge gewöhnen muss. Die vielen Eindrücke auf den Spaziergängen stressen ihn und die Begrenzung durch die Leine kennt er nicht. Manchmal rennt er mit Vollgas in die Leine und schmeißt sich dann vor Schreck und Unmut jaulend auf den Rücken. Viele Dinge machen ihm Angst. Als er zum ersten Mal ein Reh sieht, möchte er nicht weiter durch den Wald laufen.
Dafür genießt er es, durch den kleinen Ort zu laufen.
Am liebsten würde er an jedem Haus stehen bleiben oder noch besser den Bewohnern einen Besuch abstatten. Menschen interessieren ihn sehr, auch wenn er noch unsicher ist.

Dezember 2010

Newman lebt im Tierheim im spanischen Argentona. Die Haltungsbedingungen der über 400 Hunde sind katastrophal. Die kleinen Zwinger mit jeweils 3 bis 5 großen Hunden bieten kaum Schutz vor Witterungsverhältnissen, der Betonboden ist permanent feucht und es gibt weder Körbchen noch Decken. Durch die Bauweise der Zwingeranlagen gibt es keinen Sichtschutz und keinerlei Rückzugsmöglichkeit für die Hunde. Geräuschpegel und Gestank sind extrem.
Durch den hohen Stresslevel kommt es häufig zu Beißereien, leider nicht selten auch mit tödlichem Ausgang.

Der einzige Auslauf findet während der täglichen Zwingerreinigung statt, dann können sich die Hunde wenige Minuten im Korridor bewegen, was allerdings aufgrund der Aufregung und Enge häufig zu Konflikten führt.
Das Tierheimpersonal tut sein Bestes und ihr Einsatz verdient allen Respekt. Aus der schwierigen Situation das Beste zu machen, bedeutet nicht nur hohen Arbeitseinsatz, sondern auch eine starke psychische Belastung. Das Tierheim platzt bereits aus allen Nähten, trotzdem übersteigt die Anzahl der Neuaufnahmen bei weitem die der Adoptionen. Hintergrund ist das nordspanische Tierschutzgesetz, welches das Töten von (gesunden) Hunden verbietet, keiner aber weiß, wohin mit den vielen ausgesetzten und herrenlosen Tieren.
Nur wenige kleine Hunde werden ab und zu von Besuchern spazieren geführt. Die großen Hunde (und das sind fast alle), haben weniger Glück. Über Jahre erleben sie nichts als ihr trostloses Leben im Zwinger. Die allerwenigsten haben Aussicht, ein Zuhause zu finden.

Das ist im Dezember 2010 auch die Perspektive von Newman.

Über ein Jahr zuvor wird Newman auf der Straße in St. Pol de Mar eingefangen und ins Tierheim gebracht. Besitzer finden sich nicht. Damals ist er etwa ein halbes Jahr alt. Ein junger Hund voller Energie und Lebensfreude. Im Tierheim ändert sich das schnell. Von Anfang an hat er große Probleme mit seiner neuen Lebenssituation. Im Zwinger ist er völlig apathisch, gibt sich bald auf. Als er tagelang nichts frisst und stark an Gewicht verliert, vermutet man eine medizinische Ursache, jedoch kann nichts gefunden werden. Dafür blüht er förmlich auf, wenn er den Zwinger verlassen darf und wenigstens für Minuten Menschenkontakt hat.
Trotz der riesigen Anzahl von Hunden, die es kaum zulässt, sich um einzelne Hundeschicksale zu kümmern, hat das Tierheim-Team Mitleid mit Newman. Er darf sogar einige Tage im Büro wohnen, um ihn wieder aufzupäppeln, dann jedoch muss er in den Zwinger zurück.
Dort zeigt er sich weiterhin sehr depressiv und teilnahmslos. Man sieht ihn fast nur mit hängendem Kopf.
So fällt er uns auch bei unserem Besuch im Dezember 2010 im Tierheim auf.
Als wir darum bitten, ihn kurz aus dem Zwinger zu lassen, ist Newmans Freude groß.
Er sucht sofort Kontakt und lässt sich begeistert streicheln.

Wir sind entsetzt als wir ihn aus der Nähe betrachten – er ist übersät mit Narben - vor allem an seinen Beinen -, eine davon wohl von einer Drahtschlinge am Vorderbein.

Wir können nur vermuten, was Newman in seinem kurzen Hundeleben bereits alles hinter sich gebracht hat.

Aber die schlimmen Erfahrungen aus der Vergangenheit haben seine Begeisterung für Menschen erstaunlicherweise nicht erschüttert.
Beeindruckt und sehr nachdenklich verlassen wir nach 4 intensiven Tagen das Tierheim und mit ihm Newman und alle anderen Hunde, die sich trotz der Kürze der Zeit in unsere Herzen geschlichen haben.
 

 

 

Newmans Spendenkonto:

Für alle, die Newmans Aufenthalt bei Oliver de Vries auch finanziell unterstützen möchten, habe ich ein Spendenkonto eingerichtet:

Kontoinhaber: Daniela Kreher

Kreissparkasse Böblingen BLZ 603 501 30

Konto-Nr. 1001103022

Das Konto wird natürlich für die Spender transparent sein.

Ich hoffe, dass ihr alle einmal in den Genuss kommen, Newman kennen zu lernen. Dann weiß man wieder, warum und für wen man das alles tut. Für einen spanischen Schatz!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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